10 Mai, 2005

Wow. Versicherungen sind so unglaublich unsexy. Habe heute in einer Informationsveranstaltung zur betrieblichen Altersvorsorge gesessen –ja, ich weiß... aber immerhin hat mich das eine Dreiviertelstunde lang von meinem Schreibtisch befreit- und mein Gott! Gibt es etwas drögeres, langweiligeres als Renten?! Und, mal ehrlich: warum tragen Versicherungsmakler eigentlich immer diese furchtbaren Klamotten? Der eine hatte ein kariertes Sakko an (Grundton gelb)(sie tragen ALLE gelblich-karierte Sakkos!), darunter ein Hemd in blau (wahrscheinlich nennt der sowas „Oberhemd“), eine Krawatte in Terrakotta (ebenfalls sehr beliebt) und eine Hose, an deren Farbe ich mich nicht mehr erinnern kann- vermutlich ein Schutzmechanismus meines Gehirns, der Schlimmeres verhindern soll. NICHTS, aber auch gar davon paßte auch nur im Entferntesten farblich zusammen. Mein Versicherungsmensch, der wirklich sehr zuverlässig ist und überhaupt alles, was man sich von einem Versicherungsmenschen nur wünschen kann, trägt auch dauernd solche Sachen- ob es da einen Dresscode gibt? Und wenn ja, warum?! Mißtrauen Menschen gutangezogenen Menschen? Oder sind es eifersüchtige Ehefrauen, die ihren Männern diese schrecklichen Klamotten aussuchen, um sicherzugehen, daß Mann bei seinen vielen Hausbesuchen gar nicht erst die Gelegenheit bekommt, fremdzugehen? Falls es das ist- damn, die haben clevere Ehefrauen- es wirkt.

Ich habe gerade festgestellt, daß ich „Stadium“ nicht aussprechen kann- ich glaube, es kommt immer „Stadion“ raus. Dafür habe ich herausgefunden, daß ich *tätätätää!* eine Augenbraue hochziehen kann!!! Was man nicht alles für Entdeckungen macht, wenn man sich im Büro auf der Toilette einschließt, um dem Telefon-des-Grauens zu entkommen! Ich stand vor dem Spiegel, und DA! Da war’s! Ich konnte es erst gar nicht glauben- ich wollte schon IMMER eine Augenbraue hochziehen können! Naja, okay, ich kann sie nicht besonders weit hochziehen. Wahrscheinlich wird mein Gegenüber es gar nicht merken, wenn ich ihn/sie verächtlich angucke und meinen vernichtenden Augenbrauen-Trumpf ausspiele, aber egal- ich weiß, daß ich es kann, innerlich bin ich mir also meiner zum Ausdruck gebrachten Verachtung bewußt. Oder Skepsis? Moment... so, habe es gerade vor dem Spiegel überprüft –ich kann’s immer noch!- und es sieht tatsächlich eher nach Skepsis aus). Ich sehe mich schon, wie mir einer meiner Kunden gegenübersitzt, mich wieder einmal anlügt (so wie der doofe Italiener letztens! Endlich mal einer, der nicht einen guten Kopf kleiner ist als ich, und dann so ein aalglatter Mistkerl mit Macho-Armband! Pfff!)- und ich ziehe eiskalt die Augenbraue hoch und er weiß sofort, daß ich ihn durchschaut habe, er fällt vor mir auf die Knie, bittet mich um Verzeihung und fortan wird er mich nie wieder mit Terroranrufen à la „Wann bekommen wir endlich die Lieferung?!“ oder „Sie sind schon wieder zwei Wochen überfällig!“, sondern wird die Lieferungen so hinnehmen, wie sie kommen (oder auch nicht)- und alles nur dank meiner Augenbraue! Ich sollte eine Gehaltserhöhung verlangen; und bei meinem nächsten Lebenslauf steht das auch drauf, und zwar nicht unter „Besondere Fähigkeiten“ (obwohl es durchaus etwas Besonderes ist!), nicht unter „Hobbies“ (naja, so oft wie ich heute im Spiegel schon nachgesehen habe, ob ich es noch kann...?), nein, unter „Berufliche Qualifikationen“! Mit dieser Augenbraue zwinge ich jeden in die Knie! Jetzt brauche ich nur noch ein Bildtelefon. Oder eine Webcam auf der Arbeit.

07 Mai, 2005

Ja, ja, ja, ich weiß- es sind 4 Monate, seitdem ich mich das letzt Mal zu Wort gemeldet habe. Zu meiner Verteidigung: es ist auch wirklich viel passiert! Nein, nichts wirklich welterschütterndes: ich bin natürlich immer noch solo. Dafür habe ich aber seit Mitte Januar einen neuen Job –habe den internationalen Vertrieb übernommen-, und seit März außerdem auch eine neue Wohnung. Und wenn ich sage, daß das Ganze ziemlich stressig war, dann hätte ich noch untertrieben. In den ersten beiden Monaten im neuen Job habe ich stündlich auf die Katastrophe gewartet (ist nicht eingetreten)(„Katastrophe“ ist auch so ein dehnbarer Begriff!); der Umzug ist zwar gut über die Bühne gegangen, dafür war aber meine neue Küche (bzw. die Abwesenheit davon) ein stetiger Alptraum; und um meine alte Wohnung endlich loszuwerden, mußte ich mich bei meiner Bank verschulden und außerdem noch 5 Tage bis zum sprichwörtlichen Zusammenbruch renovieren (wer von der farbverschmierten Irren gehört hat, die beim radfahren auf der Kölnstraße Rotz und Wasser geheult hat- jep, das war ich). Aber naja. Ich habe mittlerweile fließend Wasser in der „Küche“, einen Herd UND einen Kühlschrank, den ich abgöttisch liebe. Im Ernst, ich würde diesen Kühlschrank heiraten. Bis jetzt hat er mir zwar noch keinen Antrag gemacht, statt dessen beliefert mich sein großes Tiefkühlfach regelmäßig und zuverlässig mit Vanille-Karameleis, und was kann man von einer Beziehung mehr verlangen? Die Spüle habe ich übrigens selbst angeschlossen, und mich überrollt jedesmal eine Welle mütterlichen Stolzes, wenn ich Wasser laufen lasse. Übrigens bin ich mittlerweile mit den Leuten im Baumarkt per Du- Margot an der Kasse lacht mich immer schon an, wenn ich zum dritten mal am Tag vor ihr stehe (naja, wahrscheinlich lacht sie mich eher aus)(oder sie lacht, weil sie an den tollen Umsatz denkt, den der Baumarkt dank mir in der letzten Zeit hatte).

Leider müssen neue Möbel dank meines ehemaligen Vermieters jetzt erstmal warten. Ich hasse meinen Dispokredit und will erstmal wieder in schwarze Zahlen kommen, bevor ich die Belegschaft von Ikea in einen Freudentaumel versetze. Dabei könnte ich heulen, wenn ich an diese wunderschöne, gemütliche beige Cord-Couch denke. Oder den Eßtisch und die vier Stühle. Oder an die 60 wunderschönen, laminatbedeckten Quadratmeter, die nur darauf warten, neu vermöbelt zu werden. Naaaja. Was soll’s, dafür habe ich jetzt endlich PLATZ! Ich muß mich nicht mehr um Ecken und Möbel herumquetschen, ich kann Besucher empfangen, ohne daß irgendjemand Platzangst bekommt, und wenn mein Telefon am anderen Ende der Wohnung klingelt, muß ich rennen, um noch rechtzeitig drangehen zu können! Außerdem- wenn ich jetzt abends aus meinem Wohnzimmerfenster gucke, sehe ich keinen Spanner mehr, sondern das wöchentliche Treffen der „Jogafreunde Buschdorf e.V.“ oder die „Bingo-Gruppe Graue Panther“. Und –man stelle sich vor!!- mein Bad ist einheitlich gekachelt! Die gelben, grauen und braunen Kacheln und Fliesen aus meiner alten Wohnung erscheinen mir nur noch hin und wieder in meinen Alpträumen.

Oh, Pickel habe ich übrigens auch nur noch selten, und wenn, dann sind es auch nur noch kleine. Keine, für die ich eine Sozialversicherungsnummer beantragen muß oder die einen so großen Schatten werfen, daß ich im Gesicht nicht mehr braun werde. Neutrogena sei dank- diese Visibly Clear Creme war wirklich eine gute Investition, kann ich nur empfehlen!

Mein neuer Job: furchtbar glamourös. Ich jette um die Welt. Naja, nicht wirklich, bis jetzt war ich in St.-Laurent-sur-Sèvre (kleines Kaff in der Nähe von einem nur unbedeutend größeren Kaff irgendwo in der französischen Provinz) und in Mailand/Turin, was an und für sich vielleicht gut klingt, aber es hat geregnet und in Deutschland war derweil schönstes Frühlingswetter. Da alle sofort ganz glänzende Augen bekommen, wenn ich „Geschäftsreisen“ erwähne, hier eine Gegendarstellung anhand des Mailand/Turin-Trips:

3:45 – Der Wecker klingelt.
5:00 – Der Shuttleservicefahrermensch holt mich ab.
6:55 – Flieger hebt ab. Der Ingenieur, der mit von der Partie ist, ignoriert mein Flehen, mich während des Fluges noch etwas Schlafen zu lassen und besteht darauf, mir die technischen Tücken des Angebotes zu erklären. Angebot? Welches Angebot? Zu der Anfrage des Kunden? Was für ein Kunde? Ein Italiener? Gehört das zu meinem Job? Ach so.
8:20 – Flieger landet
8:30 – Unser Vertreter in Italien holt uns ab und fährt uns nach Turin zum Kunden. Spricht während der ganzen Fahrt kein Wort mit mir- juchu! Kann schlafen!
9:30 – Wache kurz vor Turin auf. Die gute Nachricht ist: ich habe mich beim Schlafen anscheinend nicht auf meine Bluse gesabbert. Die schlechte Nachricht ist: es regnet und ich habe keinen Schirm mitgenommen.
10:00 – Sind beim Kunden, der eine ist eine Art italienischer Daniel Düsentrieb und der andere ist einen Kopf kleiner. Warum sind meine Kunden eigentlich immer so klein?! Aber immerhin sind die beiden ganz helle und mit einem Basiswissen über Magnete ausgestattet (im Gegensatz zu mir).
12:00 – Lunchtime! Wir essen in der Kantine des Betriebs. Neben mir sitzt ein Maschinenbediener, der schlürft, mir Tomatensoße auf meinen Blazer spritzt und nach Schweiß stinkt.
14:00 – Wir werden entlassen, Meeting ist eigentlich ganz gut gewesen, alle technischen Details geklärt. Ich war allerdings total überflüssig, weil das Projekt noch längst nicht soweit ist, daß irgendwelche kaufmännischen Details auf den Tisch gekommen wären. Unser Vertreter hat sich als unhöflicher Bauer herausgestellt und war noch überflüssiger als ich. Fünf Minuten hinter Turin bin ich wieder eingedöst.
15:30 – Sind in unserer Vertretung in Mailand angekommen. Die kaufmännische Angestellte, mit der ich auch immer telefonisch zu tun habe, hat in weiser Voraussicht einen ganzen Ordner ungeklärter Fragen zusammengestellt und feuert eine nach der anderen auf mich ab. Ich mache mir eifrig Notizen (Steno wäre jetzt gut!) und verspreche, mich morgen früh direkt darum zu kümmern. Ein bißchen Spaß muß sein!
17:30 – Unser Vertreter fährt mit uns durch Mailand City, setzt uns am Bahnhof ab, zeigt auf den Airportshuttle, grunzt zum Abschied und ist weg. Little Fuck. Naja, Auto wäre auch nicht schneller gegangen, wir stehen nämlich erstmal eine Stunde in der Rushhour.
19:50 – Rückflug. Der Ingenieur spielt mit seinem Laptop, ich schlafe.
22:30 – Home sweet home. Ich gehe in’s Bett.

So. Ich habe von Mailand nur verstopfte Straßen gesehen (Schuhgeschäfte nur von weitem), Turin und Umgebung ist häßlich und es war einfach nur total anstrengend. Naja, immerhin mußte ich den Ingenieur nicht einmal quer durch Paris schleifen wie bei meinem ersten Trip nach Frankreich mit meinem Chef, immerhin etwas.

06 Januar, 2005

Habe die ultimative Schokolade gefunden! Und zwar ist es Ritter Sport Active Erdnuß und Flakes. Ich habe zwar auch nach einer halben Tafel (Hey! Es ist schließlich schon 8 Uhr morgens!) noch nicht herausfinden können, was daran Active sein soll, aber sie ist göttlich! Seit Milka seine Erdnußschokolade vom Markt genommen hat war mein Leben grau und traurig, aber nun... naja gut, es ist immer noch grau und traurig, aber mit dieser Ritter Sport läßt sich das leichter vergessen. Jedenfalls bestimme ich hiermit, daß im Falle meines Todes mein Sarg mit einer Schicht geschmolzener „Ritter Sport Active Erdnuß und Flakes“ Schokolade ausgegossen wird. Der Weg in die Hölle ist lang, da will ich eben etwas Gutes zu Knabbern haben, das ist doch wohl nicht zuviel verlangt, oder?

05 Januar, 2005

Ich habe noch einmal über das Tony-Date nachgedacht, und bin zu dem erschreckenden Ergebnis gekommen bin, daß vermutlich im völlig falschen Jahrzehnt lebe. In den 60-er Jahren hat der Mann immer den ersten Schritt gemacht, anschließend hat er sich sorgfältig überlegt, wohin er die Angebetete ausführt und ihr immer die Türen aufgehalten. Allerdings würden sich Tony's Freunde wahrscheinlich auch über dieses Türending lustig machen, also kommt das schon mal gar nicht in Frage; und er hat sich auch ganz klar keinen Gedanken darüber gemacht, wie das Date überhaupt aussehen sollte. (naja, vielleicht hat er sich ja gedacht, es wäre rücksichtsvoll, sich voll und ganz nach meinen Wünschen zu richten. Aber erstens halte ich jemanden, der mit 100 unangeschnallt durch die Innenstadt heizt, nicht für sonderlich rücksichtsvoll, und zweitens- ich treffe in meinem Leben schon genug Entscheidungen (z. B. : "Gucke ich noch eine Folge Third Watch oder vielleicht Buffy?", oder "Sollte ich heute die Beine rasieren oder reicht es noch bis morgen?" oder auch "Ist mein Hintern nun zu dick oder nicht?"... mein Leben ist voll von Entscheidungen!), und zur Abwechslung wäre es mal ganz nett, wenn ich mir nicht über jeden Scheiß Gedanken machen müßte. Die Entscheidung, diese Date endgültig so schnell wie möglich einem vorzeitigen Ende zuzuführen, traf ich, als ich gerade gedacht habe, daß Tony ja wenigstens keinen Wunderbaum in seinem Auto hängen hat- dann klappte ich zum Schutz vor der Sonne die Sonnenblende runter, und was sah ich. Genau. Wunderbaum, Kirsch. Naja, es hat immerhin einen halben Punkt gegeben, immerhin hing der Wunderbaum nicht am Rückspiegel.

03 Januar, 2005

Frohes neues Jahr!

Dachte sich auch mein Computer auf der Arbeit und bescherte mir als verspätete Weihnachtsüberraschung einen Virus und in dem Zusammenhang auch lauter Porno-Dateien. Was natürlich in der EDV-Abteilung für helle Belustigung gesorgt hat. Naja, das sollte meinen Ruf in der Firma ein bißchen aufgemöbelt haben, ich rechne stündlich mit unsittlichen Anträgen. Das hat man davon, wenn man den Seniorchef an seinen Computer läßt...

Wider erwarten was Silvester bei mir richtig gut. Ich habe Beccy’s Essen abgesagt, damit ich auf Veri’s Einweihungs-/Silvesterparty gehen konnte, wo Beccy mich dann um halb 12 abgeholt hat. Von da aus sind wir dann zum Bahnhöfchen in Beuel runtergefahren, haben uns durch das vormitternachtliche Geknalle gekämpft und standen dann eine Weile am Rhein rum, haben das Feuerwerk begutachtet und haben uns mit Luftschlangen aus der Dose besprüht- absolut ekelhaftes Zeug, wirklich, irgendwie klebrig und es bleibt überall hängen! Danach sind wir reingegangen und haben Steffi und Lena sogar auf Anhieb gefunden. Danach fand ich die Flaschenbar und es gab nur noch ein paar Smirnoff Ice- ganz klar, Eile war geboten. Und so hatte ich auch in einer halben Stunde meinen Alkoholpegel dem der Allgemeinheit angeglichen. Und das war auch gut so, weil so das Zeug, was da von der Decke permanent auf uns runtertropfte (Kondenswasser? Schweiß??), gleich nur noch halb so eklig war- man darf einfach nicht nach oben gucken. Höhepunkte der Party waren u. a., wie Lena einem Idioten eine Flasche Sekt über den Kopf gegossen hat und wie sie später ihrem stark alkoholisierten Freund den Weg nach Hause gezeigt hat (sie hat ihn bis zu einer Stelle begleitet, von der aus er nur noch geradeaus gehen mußte, das dürfte er noch so hinbekommen haben. Ob er dann allerdings auch zuhause angehalten hat oder mittlerweile schon irgendwo in Koblenz ist, weiß ich nicht so ganz). Zwischendurch habe ich mir auf dem Klo meine Strumphose ausgezogen, die hing nämlich nur noch in Fetzen- Lena meinte zwar, den Männern würde das gar nicht auffallen, weil die denken, das würde zum Muster gehören, aber naja. Jedenfalls halte ich für die Nachwelt fest, daß es gar nicht so einfach ist, sich auf dem Klo seiner Strumphose zu entledigen- in meinem Fall zog das einen leichten Krampf im Oberschenkel nach sich. Irgendwann war es dann schon 5 Uhr, die Party war vorbei, ich habe noch etwas halbherzig mit dem Typ in der Garderobe geflirtet (mit dem Süßen, nicht mit dem Alten) und dann ging’s ab nach Hause. Wir haben für Beccy sogar auf Anhieb ein Taxi bekommen- es geschehen noch Zeichen und Wunder. Ach ja, rumgeknutscht habe ich natürlich auch (wie in den guten alten Zeiten), aber ich sollte bitter dafür bezahlen.

Ich wurde nämlich um 1 vom Telefon aus dem Reich der Toten wiederauferweckt- und es war der Typ, mit dem ich rumgeknutscht habe. Kleine Sünden straft der liebe Gott sofort. Tony wollte unbedingt heute mit mir weggehen, ich wollte allerdings heute unbedingt meinen Nachdurst bekämpfen, also haben wir uns für Sonntag am späten Vormittag verabredet.

Und so kam es denn auch. Er holte mich um kurz vor 12 ab- und anderthalb Stunden später war ich auf eigenen (ausdrücklichen) Wunsch auch schon wieder zuhause. Tony ist leider Gottes nämlich dumm wie Brot und ein ausgewachsener Proll. Mit 100 durch die Innenstadt, anschnallen ist nicht (weil ihn dann seine Kumpels auslachen würden), sein nächstes Auto wird ein BMW (Mercedes und Audi hatte er alles schon), und wenn er von Bonn nach Madrid oder Rom fährt, hält er aus Prinzip nur an, um zu tanken. Ich habe vorsichtshalber gar nicht erst gefragt, aber ich vermute, er ist darüber hinaus noch ein Stallone und Schwarzenegger Fan und hat das letzte Mal 1991 ein Buch in der Hand gehalten, und das auch nur aus Versehen. Oh, und er kann rechts und links nicht auseinanderhalten, aber das war auch schon unsere einzige Gemeinsamkeit. Ich bin aber trotzdem stolz auf mich- früher hätte ich ein ganzes Date über mich ergehen lassen weil ich zu schüchtern bin, um etwas zu sagen, heute ergreife ich schon früher die Flucht. Deswegen hatte ich noch den ganzen Nachmittag für mich und konnte hemmungslos in „Third Watch“-Folgen und „Säulen der Erde“ (habe ich bestimmte seit über einem Jahr nicht mehr gelesen) schwelgen. Viel besser.

Und nein, ich bin definitiv kein Verfechter der Theorie „Dumm poppt gut“. Ich hätte mir beim besten Willen nicht vorstellen können, wie dieser Typ jemals gut im Bett sein sollte, und ich hätte mir eher eine „Himmlische Familie“-Monstersession angetan als der Theorie auf den Grund zu gehen. Und sich freiwillig Folgen von „Eine himmlische Familie“ anzugucken kommt für mich gleich nach einer freiwilligen Gehirnamputation im Selbstversuch.

05 Dezember, 2004

Okay, Ladies, es gibt sie tatsächlich, die „Untreue Ehemänner“-Klischees, und zwar nicht nur in billigen Daytime-Soaps, sondern live und in Farbe.

Die Top 3 der besten Ausreden:

  1. „Ich liebe meine Frau, aber Sex bedeutet doch nichts.“
  2. „Meine Frau hat mich ja auch schon betrogen, wir wären also quasi quitt.“
  3. „Meiner Frau würde es sowieso nicht sonderlich viel ausmachen.“
Und als Zusatzzahl...
  1. „Normalerweise gehe ich ja auch nicht fremd, aber bei Dir...“

Ich kann seit diesem Wochenende bezeugen, daß es sie wirklich gibt, die Männer, die solche billigen Ausreden benutzen. Daß es auch Frauen gibt, die dumm genug sind, darauf über-haupt noch reinzufallen- kann man sich ja eigentlich gar nicht vorstellen, aber muß wohl so sein.
Als klarwurde, daß ich trotz der vielen vielen Ausreden und Argumente mit „Nein“ tatsächlich „Nein“ meine, kam dann leichte Panik auf...
„Wer weiß, daß Du hier bist?“ Ach, so gut wie niemand. Nur drei oder vier Freunde. Und ein paar Arbeitskollegen. Aber davon abgesehen...
„Studiert davon jemand in Bonn?“ Jup, so ziemlich alle.
„Kann es sein, daß die und meine Frau sich zufällig in der Uni über den Weg laufen wür-den?“ Hmm, weiß nicht, Bonn ist schon ein ziemliches Dorf, manchmal.
„Könntest Du denen vielleicht erzählen, daß ich ja eigentlich gar nichts von Dir wollte?“ Och nö, Du, ich glaube nicht. Ich bekomme immer so eine lange Nase, wenn ich Freunde anlüge.
Naja, kann den guten Mann ja auch irgendwie verstehen- wenn man nur aufgrund seiner deutschen Frau eine Aufenthaltsgenehmigung hat und auch erst seit einigen Monaten mit ihr verheiratet ist, dann sollte man sich über so etwas schon ein paar Gedanken machen. Übri-gens, damit hier kein Mißverständnis entsteht- er liebt seine Frau wirklich, er hat sie nicht nur wegen des Visums geheiratet. Ganz, ganz ehrlich! Daß die Heirat kurz vor Ablauf des Vi-sums stattfand, war auch nur so ein verrückter Zufall.
Aber unglaublich- so ein Selbstbewußtsein muß man erstmal haben! Der war wirklich fel-senfest davon überzeugt, er könnte mich in’s Bett kriegen- und zwar in sein Ehebett! Ehrlich, das ist so abgeschmackt, allein bei dem Gedanken wird mir schlecht. Ich wünschte bloß, ich hätte ihm am Ende sagen können, was für ein armseliges Würstchen er doch ist- aber Ver-rückte soll man ja bekanntlich nicht reizen (vor allem dann nicht, wenn man einen Kopf klei-ner ist, nicht masochistisch veranlagt ist und seine Gaspistole zuhause vergessen hat), des-wegen war ich die ganze Zeit freundlich (oder doch zumindest höflich. Wozu eine gute Er-ziehung doch gut ist!) und habe in Gedanken fleißig mitgeschrieben, denn sowas darf man einfach nicht für sich behalten: die häßlichste, schwächste und billigste Seite, die ein Mann so zu bieten hat, und das alles nur in wenigen Stunden! Eine Soziologin hätte ihre helle Freude daran gehabt.