14 Juli, 2010

BP hält an Corexit als Dispersionsmittel fest

BP verwendet zur Bekämpfung des Ölteppiches das Mittel Corexit. Der Einsatz dieses Mittels bei Ölkatastrophen ist in den UK bereits seit 10 Jahren verboten, in den USA allerdings noch nicht.

Am 19.05.2010 gab jedoch die EPA (Umweltbehörde der USA) BP die Deadline, innerhalb von 24 Stunden eine effektivere und weniger giftige Alternative für Corexit zu wählen (z.B. Dispersit, das von der EPA als 100 % effektiv für Louisiana-Rohöl und als 3 Mal weniger toxisch als Corexit eingeschätzt wird) und innerhalb von 72 Stunden komplett darauf umzustellen.

BP weigerte sich, eines der weniger toxischen Mittel zu verwenden, die von der EPA freigegeben wurden, und bleibt bei Corexit. An dieser Stelle der Hinweis, daß Corexit-Hersteller Nalco geschäftlich mit Ölmulti Exxon verbandelt ist und daß Rodney F. Chase, ein ehemaliges langjähriges BP-Vorstandsmitglied, nun im Nalco-Vorstand sitzt.

Die EPA forderte daraufhin das Eindämmen des Corexit-Verbrauchs um mindestens 50 %, möglich sei auch eine Einschränkung um 75 %. Nach aktuellen Schätzungen gehen Wissenschaftler davon aus, daß BP den Verbrauch um 9 % senkte.

Am 26.05.2010 hatte die EPA eine Direktive erlassen, die es BP untersagt, die Chemikalien aus der Luft zu versprühen. Bei der Unterwasser-Ausschüttung des Corexits darf eine Tagesmenge von 15.000 Gallonen (~ 57.000 Liter) nicht überschritten werden. Ausnahmen seien schriftlich und unter ausführlicher Angabe von Informationen einzureichen und müßten vom FOSC ("Staatlicher Vor-Ort-Koordinator“) genehmigt werden. Die im Internet veröffentlichten Schreiben belegen, daß BP seitdem fast jeden Tag den Antrag auf Ausnahmegenehmigung eingereicht hat. Da BP in der Zeit vom 26.05.2010 bis zum 22.06.2010 laut offiziellen Angaben mehr als 10.000 Gallonen Corexit verwendet hat, kann man davon ausgehen, daß viele, wenn nicht gar all Anträge genehmigt wurde.

Schließlich und endlich –und nach wochenlangen Protesten seitens Bevölkerung und Regierung- veröffentlichte die EPA am 09.06.2010 die Liste der Bestandteile von Corexit. Nachdem Hersteller Nalco und BP diese Veröffentlichung verhindern wollten ("Betriebsgeheimnis“) berief sich die EPA auf den "Toxic Substances Control Act“, der es ermöglicht, auch vormals geheimgehaltene Inhaltsstoffe zu veröffentlichen. Was die Frage aufwirft, warum die EPA 6 Wochen mit der Veröffentlichung wartete, obwohl sie ganz offensichtlich bereits die ganze Zeit über dazu befugt gewesen wäre.

Diese lange Geheimhaltung hatte auch Folgen für erkrankte Katastrophenhelfer, die sich mit diversen Symptomen bei ihren Ärzten einfanden und denen nicht gezielt geholfen werden konnte, weil niemand wußte, gegen welches Stoffe überhaupt behandelt werden sollte. Lt. des Gesundheitsamtes wurden allein in Louisiana bis Anfang letzter Woche 142 Krankheitsfälle gemeldet, die mit der Ölkatastrophe in Verbindung gebracht werden; Alabama meldet 40 für den Zeitraum 22.05.2010-26.06.2010.

Nun ist bekannt, daß das aktuell verwendete Corexit 9500 unter anderem einen Stoff enthält, der oft in Laxativa, also Abführmitteln verwendet wird. Bislang sind 1,5 Mio. Gallonen davon in’s Meer geflossen. Lt. EPA-Tests ist Corexit zwar eindeutig toxisch, jedoch weniger umweltschädlich als sich im Meer zersetzendes Rohöl. Es sei jedoch nicht möglich, eine Aussage über Langzeitschäden zu treffen; ebenso wurde Corexit 9500 nicht in Verbindung mit Rohöl getestet, insofern ist fraglich, ob der Test für die tatsächliche Situation repräsentativ ist.

Ausflug in die Vergangenheit: bereits bei der Ölkatastrophe der Exxon Valdez in Alaska in 1989 erkrankten auffällig viele der rund 11.000 Helfer an Erkrankungen der oberen Atemwege . Die Arbeitsgesundheitsbehörde NIOSH gibt zu, Langzeit-Gesundheitsauswirkungen der Exxon Valdez nicht untersucht zu haben, gibt jedoch auch an, daran zu arbeiten, daß die sbei dieser Ölkatastrophe anders laufen soll. Berichte von Betroffenen gibt es allerdings zur Genüge (z. B. hier). Lt. Riki Ott, eine Meerestoxikologin, die 6 Jahre lang die Folgen der Exxon Valdez Ölkatastrophe recherchiert hat und das Buch „The Sound Truth“ basierend auf Interviews und Niederschriften von Zeugenaussagen herausgebracht hat, stellte sich heraus, daß viele dieser Erkrankungen chronisch waren- und in einigen Fällen auch tödlich, da eine erfolgreiche Behandlung extrem schwierig und kostspielig ist. Auch in Alaska wurde damals Corexit eingesetzt.

Das Buch "Sound Truth & Corporate Myth$: The Legacy of the Exxon Valdez Oil Spill“ ist im Handel erhältlich, ist jedoch auch in vollständiger Länge auf Ott’s Internetseite kostenlos als Download erhältlich.

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